Zudem wurde
aus dem „bösen Omen“ bereits bittere
Realität, und ich bekomme während der eineinhalb
Zugtage keinen Bissen runter.
Der Abstecher ans Meer stellt sich als richtige Entscheidung
heraus und wir genießen Wasser, Sonne und frische Luft.
Von Goa aus geht es dann über die Nacht, und
unzähligen „speed breakers“ per Bus
direkt nach Hampi. Dort wird unser „Touristenbus“ in
aller Herrgottsfrühe von dutzenden Hotelagenten
und Rikshafahrern umschwärmt, und wir tappen natürlich
voll in die Falle. Bin ich zuerst stolz den Riksha
Preis von 50.- auf nur 20.- Rupies heruntergehandelt
zu haben, so stelle ich nach lächerlichen 500
Metern fest, dass wir nie und nimmer ein Taxi gebraucht
hätten. Wir setzen per Boot über den Tungabhadra
Fluss nach „Hampi Island“ über und
nach 10 Minuten Fußmarsch checken wir auch schon
im Guesthouse „Goan Corner“ ein.
Hampi – Bouldern inmitten eines Weltkulturerbes
Hampi liegt im indischen Bundesstaat Karnataka und
ist eine der bedeutendsten Kulturstätten des Landes
sowie UNESCO Weltkulturerbe. Vom 14. bis 16. Jahrhundert
war der Ort die Hauptstadt des Vijayanagar Königreiches,
mit unzähligen Tempeln und einer riesigen Verteidigungsanlage,
mitten in einer unglaublichen Felslandschaft. Es war
zu seiner Blütezeit weltliches und spirituelles
Zentrum dieses Reiches.
Zum Klettern wurde die Gegend rund um Hampi wohl von
Hippies entdecket. Sie suchten hier ab den 70-ern innere
Erleuchtung und begaben sich auf „erweiterte
Bewusstseinsebenen“. Einer der ersten „seriösen“ Kletterer
war dann der Brite Johnny Dawes. Ihm folgten weitere
europäische Kletterer wie Jerry Moffat, Kurt Albert
und Isabelle Patissier.
Waren es vor gut 20 Jahren wohl nur einige Felsen
rund um den Ort Hampi selbst, so gibt es heute weit
mehr als 20 Sektoren, welche sich in einem Umkreis
von bis zu einer Stunde Fußmarsch um den Ort
befinden.
Die Spuren der Vergangenheit, behauene Steinblöcke,
Wehranlagen und Tempel begleiten einem dabei in jedes
Gebiet. Der Umgang mit der allgegenwärtigen Geschichte
ist sehr unterschiedlich. Während die einen „nur“ Bouldern,
versuchen andere auch die mystische Stimmung dieses
Ortes aufzunehmen, abzuschalten und in sich zu gehen.
Ja, und manche andere wiederum versuchen auch heute
wie damals besondere „Bewusstseinsebenen“ zu
erklimmen.
Heiß und scharf!
Gleich beim Einklettern in den ersten Tagen stellen
wir fest, wie weitläufig das Gebiet ist und worauf
es hier ankommt. Wo man hier hinschaut befinden sich
bis zum Horizont nur Felsen, die erschlossenen Areale
findet man im Umkreis von max. einer Stunde Fußmarsch.
Die Blöcke sind hauptsächlich wunderbare
Graniteier mit oftmals steilem Start, sowie der Option
eines sit down Starts.
Kann man dem scharfen indischen Essen durch genügend „continental
food“ auf der Speisekarte noch ausweichen, so
führt beim Bouldern kein Weg an den extrem scharfen
Leisten vorbei. Sie reißen einem die Haut schneller
von den Fingerkuppen als einem lieb ist, und fordern
schmerzhaft regelmäßige Rasttage ein.
Über diese sind wir dann auch heilfroh, denn
das bedeutet für uns endlich ausschlafen. Denn
an den Klettertagen heißt es früh raus aus
den Federn, um 6.00 oder 7.00 Uhr, um noch ordentliche
Bedingungen vorzufinden. Denn in Hampi kraxeln nicht
nur die Kletterer, sondern auch das Thermometer bis
auf über 30 Grad.
Vielleicht sind die warmen Temperaturen mit ein Grund,
neben der Lage im Süden von Indien mit der langen,
umständlichen Anreise, dass es in Hampi verhältnismäßig
wenig Boulderer gibt. Unserer Schätzung nach dürften
sich während der Hauptsaison Dezember – Jänner
nie mehr als etwa 50 Boulderer zugleich in Hampi aufhalten.
Die weitaus größere Anzahl der Leute, die
hierher kommen sind nach wie vor „normale“ Touristen.
Das Sandstein Klettergebiet Badami!
Nach drei Wochen fahren Petra und ich dann nach Badami.
Die Stadt liegt fünf Busstunden entfernt von Hampi
und inmitten großartiger Sandsteinfelsen. Wir
sind die einzigen Kletterer in dieser typisch Indischen
Stadt, mit Markt, engen Gassen und Schweinen die sich überall
in den Müllhaufen tummeln. Zudem gibt es hier
eine unglaubliche Dichte an Whiskey Shops, weshalb
wir Badami kurzerhand die „Stadt des Whiskeys“ taufen.
Nicht selten, als wir in der Früh zum Klettern
gehen, treffen wir so manchen betrunkenen indischen
Zeitgenossen, für den die Realität und vermeintliche
Halluzination drastisch miteinander verschwimmt.
Der Sandstein hier ist erstaunlich fest, hat wunderbare
Farben und Muster. In den drei Hauptsektoren „Ganesh
Wall“, „Hermit Wall“ und „Badami
deluxe“ gibt es Boulder, sowie geboltete, gemischte,
und reine „trad“ Routen. Wer hier vernünftig
klettern möchte muss ein ordentliches Rack mitnehmen.
Wir haben leider nur ein kleines dabei, und so bleiben
uns die meisten Routen verwehrt. Sie stammen unter
anderem von Leuten wie Arnaud Petit, Kurt Albert oder
Helmuth Gargitter.
Zum Sportklettern gefällt uns der Sektor „Hermit
Wall“ am besten, wobei die Routen in den oberen
Graden oft sehr weite Abstände zwischen den Haken
aufweisen. Zudem fehlt leider oft der erste Haken,
sowie der zweite Haken am Stand am Ende der Route.
Sie wurden von anderen Erschließern einfach abmontiert.
Dies macht sie leider oft unkletterbar, bzw. macht
das Abseilen auf nur einem Haken zu einer unnötigen
Nervensache.
Wer also zukünftig nach Badami aufbricht, sollte
netterweise einige Laschen, Schrauben und Seilschlingen
mitbringen, um die Routen wieder zu komplettieren.
Zum Bouldern gefällt uns der Sektor „Ganesh
Wall“ am besten. Hier gibt es viele wunderbare
Probleme mit ganz unterschiedlichem Charakter. Am Ende
des Sektors gibt es eine schöne 15 Meter hohe
Wand, welche fest den ganzen Tag im Schatten liegt.
Mit Hilfe des kleinen Racks bauen wir uns einige Top
Rope Stationen auf, und klettern fast alle möglichen
Linien.
Im Sektor „Badami deluxe“ werden wir mit
der gemischten Absicherung überhaupt nicht warm.
Das Konzept das sic dahinter verbergen soll ist uns
unverständlich, denn oft gibt es nur einen Bolt
am Anfang und danach keine richtige vernünftige
Absicherungsmöglichkeit. Eigentlich schade, denn
meiner Meinung nach würden mit nur wenigen Bolts
mehr viele der Kletterer, welche nach Badami kommen
und eben kein spezielles Rack mithaben, auch eine Chance
haben die Linien zu wiederholen.
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