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KLETTERURLAUB IN THAILAND 2006
von Christiana S. & Johann E. (alias Ebses)

Ziel unserer Reise war die Phranang Halbinsel nahe Krabi, dem thailändischen Klettermekka mit den Stränden „Railey“ und „Tonsai“.

Der Jetlag in Kombination mit der ungewohnten Hitze und Schwüle haben uns anfangs recht zugesetzt. Die Felsen auf Tonsai sind großteils überhängend mit vielen spektakulären Sinterstrukturen. Also kraftraubend und schweißtreibend. Chalken fast nach jedem Zug! An den ersten Tagen ist uns dann auch gar nichts so recht aufgegangen, wir haben uns mit den 6bs abgeplagt.

Einquartiert haben wir uns im Paasook in Tonsai, ein recht ruhig gelegenes Ressort direkt neben den Felsen von „Wild Kingdom“. Die Bungalows sind dort einfach, wie überall auf Tonsai, aber sauber und für den Zweck absolut ausreichend, mit netter Veranda für die in der ersten Woche obligate Mittags-Siesta. Die Bungalows in Railey sind im Schnitt teurer und besser ausgestattet, die Frage ist nur, ob man mehr braucht.

Grund, warum wir uns in Tonsai einquartiert haben, war, dass Tonsai einfach der Kletterertreffpunkt ist und uns die recht relaxte Atmosphäre dort mehr angesprochen hat. Railey ist im Vergleich nobler (auch sauberer), touristischer und teuerer. Es ist nicht nötig, das Quartier von zu Hause aus zu buchen. Außer zur Hochsaison (um Weihnachten/Neujahr) ist immer genug verfügbar. Auch sollte man sich den Bungalow vor Ort erst einmal ansehen, bei Größe, Ausstattung und Sauberkeit gibt es doch erhebliche Unterschiede.







Gegessen haben wir fast immer im Paasook Restaurant, dort hat es uns einfach mit Abstand am besten geschmeckt. Auf Railey haben wir auch mal doppelt so teuer und nur halb so gut gespeist. Das Essen war für mich als Vegetarierin nicht wirklich abwechslungsreich. Meistens gab’s Reis mit Gemüse, ab und zu auch Gemüse mit Reis. Und zum Frühstück Reissuppe mit Gemüse, das traditionelle Thai-Frühstück. Müsli mit Joghurt und Früchten gibt es aber auch fast überall. Die Thais haben sich eben schon recht an die Gewohnheiten und Vorlieben der Kletterer angepasst.

Die zweite Woche haben wir auf Phi-Phi-Island verbracht (ca. 2.5Std Überfahrt mit der Fähre von Tonsai). Phi Phi ist im Vergleich zu Tonsai sehr touristisch, dafür scheint es zum Klettern nicht mehr „in“ zu sein.

Wir waren fast immer alleine an den Felsen, das war nach dem Trubel in Tonsai recht angenehm. Die Routen sind dort großteils recht milde bewertet, nicht so abgeschmiert und kraftig wie an vielen Gebieten in Tonsai. So sind wir dann recht gut ins Klettern hineingekommen und haben uns an das tropische Klima ganz gut gewöhnt. Geklettert sind wir auf Phi-Phi am Tonsai-Tower und auf der Drinking-Wall, dort sind alle Routen frisch saniert (die Hakenqualität war im Kletterführer noch als fraglich eingestuft). Ebses hat am Tonsai Tower seine erste 6c geschafft! Beide Wände sind am Nachmittag im Schatten – also waren es klassische halbe/halbe-Tage: Am Vormittag Baden/Schnorcheln/Relaxen, Nachmittag Klettern. Das ist bei meinem nicht-so-kletterfanatischen Mit-Urlauber gut angekommen. Das Wasser ist auf Phi-Phi noch um einiges schöner und klarer als auf Railey und das Schnorcheln war ein super Erlebnis. Man schwimmt wie mitten im Aquarium, es wimmelt nur so vor lauten bunten Fischen. Am Shark-Point sind wir – nomen est omen – auch Haien begegnet.

Die Schnorchelausrüstung kann man überall günstig ausleihen, es macht daher keinen Sinn, das Zeug von zu Hause mitzuschleppen. Gewohnt haben wir am Long-Beach im Paradise-Resort. Das ist etwas abseits von Phi-Phi-Town, wo es eher turbulent und laut ist. Zu Fuß geht man vom Long-Beach nach Phi-Phi-Town ca. 30min, das Longtail kostet 80Baht (knappe 3EUR) pro Person. Von Phi-Phi-Town zu den nächstgelegenen Kletterfelsen ist es noch mal 15-20min.

Die dritte Woche waren wir dann wieder auf Tonsai und da war es dann perfekt. Mir sind dann endlich auch ein paar schwierigere Routen "aufgegangen". Am besten hat mir die Thaiwand-Wall gefallen - lauter Traumrouten. Dort habe ich z.B. die "Equatorial" (6c) und die "The King& I"(7a) gerotpunktet.

Nach dem Klettern war unser klassisches Abendprogramm, sich ein Singha-Beer in der direkt am Strand gelegenen Freedom-Bar zu genehmigen und dort bis zum Sonnenuntergang herumzuhängen und die gleich daneben im gewaltig überhängenden Tonsai-Roof ebenfalls herumhängenden Kletter-Freaks zu beobachten. Anschließend haben wir uns ab und zu in einer der Thai-Masssage-Hütten malträtieren lassen, was dem Abbau des Muskelkaters recht förderlich war. Dabei werden auch sämtliche Gliedmaßen nach allen Richtungen verbogen, was mein nicht ganz so beweglicher Mitreisender als echte Qual empfunden hat.

Wir haben in unserer dritten und letzten Urlaubswoche dann auch etwas abgelegene Wände besucht, um dem Trubel etwas zu entfliehen. Einige Gebiete sind nämlich recht überlaufen (und damit auch schon recht abgeschmiert). Besonders betrifft das die Felsen, die leicht erreichbar sind (Tonsai-Roof, Tyrolean Wall, Dum’s Kitchen) und die, die auch ein paar leichte Routen im Repertoire (One-Two-Three) haben. In letzteren sind vor allem Kletterer der vor Ort angebotenen Kletterkurse in Massen anzutreffen.

Panorama Ralley





Dagegen waren wir bspw. in „The Keep“ und „Melting Wall“ ganz alleine.

Die Bewertungen sind uns in Tonsai recht inhomogen vorgekommen. Das liegt daran, dass die Routen von verschiedensten Leuten eingerichtet wurden und deren Bewertungen nie korrigiert wurden. Leichtere Routen (also 6a und darunter) findet man nur vereinzelt (Ausnahme One-Two-Three), also man sollte mindestens eine 6b gut drauf haben, damit man dort unten entsprechend Spaß hat.

An Rasttagen sind wir hauptsächlich am Strand herumgehangen. Wir sind dazu immer an den Phranang-Beach gegangen oder gefahren. Tonsai ist zum Baden nämlich nur bedingt geeignet (schlammig, dazwischen äußert scharfe, spitze Steine, eher flach). In Thailand gehen auch Bademuffel (wie ich) gerne ins Wasser, bei den ca. 28° Wassertemperatur!

Ebenfalls ein "Muss" ist der Besuch der zwischen Phranang- und Railey-East gelegenen Lagune. Der Zustieg ist zwar etwas abenteuerlich: Zuerst recht steil hinauf, dann in mehreren senkrechten Abbrüchen wieder nach unten, mit Seilen mehr schlecht als recht abgesichert. Empfehlenswert eher nur für Personen mit Klettererfahrung, einige nur mit Flip-Flops ausgerüstete Spaziergänger, denen wir begegnet sind, sind dann doch lieber umdreht.

Recht nett ist auch die Tour durch die Höhle, die die Escher-Wall mit der Thaiwand-Wall verbindet (Stirnlampe nicht vergessen).

Alles in allem war’s ein recht stressfreier, relaxter Urlaub. Auch weil alles in unmittelbarer Nähe ist (Klettergebiete, Strand, Restaurants) und man kein Auto braucht. Zu Fuß oder mit den Longtail-Booten kommt man überall leicht hin. Das Leben ist in Thailand auch noch immer sehr günstig, man muss also nicht immer jeden Bath 2x umdrehen. Bei uns hat bspw. der Flug 2/3 der gesamten Urlaubsbudgets ausgemacht. Vergleichsweise teuer sind allein der Alkohol, auch das Bier, das Internet und die Longtail-Boote.

Noch ein paar Tipps:

Anfahrt:
Wir sind nach Krabi geflogen, von dort mit dem Taxi zum Pier von Krabi-City und dann mit dem Long-Tail-Boot nach Railey-East. Dort mussten wir dann mit Sack und Pack über die Landenge nach Railey-West, wo uns ein zweites Longtail nach Tonsai gebracht hat.

Geschickter ist es, mit dem Taxi vom Flughafen in Krabi nach Ao-Nang zu fahren, von dort geht es mit dem Long-Tail direkt nach Tonsai. Das ist zwar mit dem Taxi etwas weiter, dafür ist es mit dem Boot nur ein kleines Stück. Eine Ausnahme ist die Regenzeit, denn da verkehren wegen zu hohen Seegangs keine Longtails zwischen Ao Nang und Tonsai.

Topo:
Zu empfehlen ist ‚Rock Climbing in Thailand’ von Elke Schmitz u. Wee Changrua, es gibt inzwischen schon die dritte Ausgabe (2006). Ist auch vor Ort in vielen Restaurants und den Kletter-Shops erhältlich.

Routen mit besonderer Empfehlung von mir, gereiht nach Schwierigkeitsgrad:

  • Appetizer, 6a (Drinking Wall)
  • Missing Snow, 6b+ (Tyrolean Wall)
  • The Smoking Room, 6b+ (Melting Wall)
  • Muay Thai, 6b+ (Muay Thai)
  • Gladiator, 6c (Ton Sai Tower)
  • Nut Cracker, 6c (The Keep)
  • Equatorial, 6c (Thaiwand Wall)
  • The King & I, 7a (Thaiwand Wall)
  • Reminiscence, 7a+ (Dum's Kitchen)

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